Kollegah und Farid Bang

Rap - soll man respektlose Texte verbieten?

Strafen, Zensur oder Verbote haben wie man aus anderen Bereichen weiß, bei verbalen Grenzverletzungen oft den gegenteiligen Effekt: Jugendliche finden die Musik unter Umständen noch viel attraktiver, wenn sie den Charme des Verbotenen hat. Sie kennen solche Texte in und auswendig und sie provozieren damit.

Rap profiliert sich durch Härte. Rap macht auf sich aufmerksam durch Respektlosigkeit und Provokationen und durch das Brechen von Tabus. Rapper übertrumpfen sich regelrecht gegenseitig mit Provokation und Respektlosigkeit. Und fordern gleichzeitig vehement Respekt für ihre eigene Lebensform ein.

Mit anderen Worten: Sie verletzen die Normen und Werte der Gesellschaft und fordern sie dann aber für sich ein. Gutheißen können wir das nicht. Wie sollen wir also damit umgehen?

Stellung beziehen!

Wir müssen Respektlosigkeit nicht tolerieren. (Dem Thema Toleranz habe ich später ein eigenes Kapitel gewidmet.) Wir sollten jedoch angesichts von Respektlosigkeiten ganz klar Stellung beziehen. Gerade im Umgang mit der Rap-Kultur und mit anderen kulturellen Phänomenen, die durch Respektlosigkeit provozieren, ist eines besonders wichtig:

Wir sollten solche Strömungen ernst nehmen! Vor allem im Hinblick auf die gesellschaftlichen Themen, die dort angesprochen werden. Es geht dabei um Themen, die für unsere Gesellschaft bedeutsam sind:

Um die Schwierigkeiten bei der Integration, um Migration und Flucht, um Armut und Depression. Und um Gewalt.

Rap ist eine Konfliktkultur, sucht den Streit, will anecken. Wir sollten die Inhalte aufnehmen und diskutieren. Eine freie demokratische Gesellschaft tut gut daran, ihre Werte immer wieder zu hinterfragen, darüber und vor allem dafür zu streiten und sie manchmal auch neu zu definieren.

[Bild: Verleihung der Goldenen Schallplatte für das Album „Jung, brutal, gutaussehend 2“ - Kollegah und Farid Bang, Selfmade Records 2013]