Opfer

Wann ist Sprache respektlos?

Wann wird Sprache abwertend, beleidigend, diskriminierend, rassistisch etc.? Wann sind einzelne Worte respektlos und provozierend?

Es gibt keine allgemein gültigen Standards für das verbale Durchbrechen einer "verbotenen" Schallmauer. Ausdrücke, die bis vor kurzem noch als anstößig empfunden wurden, sind längst in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Sie erregen dann kaum noch Aufsehen.

Ein Beispiel ist der Begriff "geil" für "toll", "gut" oder "cool". Eine Vokabel auf dem Scheideweg sozusagen. Entweder zum Aussterben verdammt oder reif für die Ablösung durch eine neue Variante. Mit Potenzial zur Provokation. Hier ist Jugendsprache sehr kreativ.

"Geil" ist übrigens auch ein schönes Beispiel für lebendige Sprache. Sprache verändert ihre Bedeutung mit dem Zeitgeist: Noch im Mittelhochdeutschen stand das Wort "geil" nämlich für "froh", "lustig" oder "gut gelaunt". Erst Anfang des 20. Jahrhunderts veränderte es seine Bedeutung hin zu einem Begriff mit sexuellem Bezug. Ein Teil der ursprünglichen Bedeutungen war noch geläufig, andere gerieten in Vergessenheit. Und manchmal gelangen solche Wort eben auf dem Weg über die Jugendsprache wieder zurück in unseren Sprachschatz.

Zwischen Provokation und Abwertung

Es gibt im deutschen Sprachraum ziemlich viele unschöne Beispiele für abwertende Jugendsprache. Zum Beispiel für Personen, die als hässlich oder unsympathisch empfunden werden. Auch Zuschreibungen wie "du Opfer!" - oder die Abwandlung "Mopfer", das verniedlichend für "Mobbingopfer" verwendet wird - gehören aus der Sicht der allermeisten Erwachsenen eher nicht zum erstrebenswerten Umgangston.

Solche Begriffe beschreiben allerdings nur allzu treffend die ganz reale Lebenswelt von Jugendlichen. Sie sprechen für sich und sollten uns aufhorchen lassen.

[Bild: Hannes Jähnert, "Ich studier Diplom du Opfer"]